Russland; 26.08. – 06.09.2018

26.08.2018, Tag 64, Listvyanka, Russland; Tageskilometer: 154, Gesamt: 20.153
Am Baikalsee

Am zeitigen Nachmittag fallen wir in Irkutsk auf den Bahnsteig. Die letzte längere Zugfahrt der Tour ist geschafft. Aber nach diversen chinesischen Folterzugfahrten war das hier eine der besseren. Auf der Suche nach dem Busbahnhof müssen wir mit der Irkutsker Straßenbahn fahren. Auf verworfenen Gleisen holpert und quietscht die durch die Stadt. Es gibt sogar eine Schaffnerin, die die Tickets verkauft. Die Zeit ist hier stehen geblieben.

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Schnell findet sich ein Bus, der uns die sechzig Kilometer zurück zum Baikal fährt. Kaum ausgestiegen bemerkt man, das hier ein völlig anderes Klima als in der trockenen mongolischen Steppe herrscht. Es ist angenehm, irgendwie feucht und auch frisch. Angenehm ist auch der Anblick der Häuser und der Landschaft. Es ist genau so, wie man sich Sibirien vorstellt. Birkenwälder ohne Ende, Holzhäuser mit bunten Fenstern und Spitzdächern. Nachdem in der Mongolei Zeitungen in den Fenstern klebten und die Chinesen gleich gar keinen Plan davon hatten, wie man Fenster oder gar Balkon´s gestalten könnte, herrscht hier wieder eine „Fensterkultur“. Es gibt Gardinen und Zimmerpflanzen ohne Ende und überall entdeckt man liebevolle Details.

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Es wird ein großes und nagelneu aussehendes Blockhaus angemietet, natürlich auch mit vielen Fenstern, diversen Balkons und Unmengen von Zimmerpflanzen und Gartenblumen. Es scheint perfekt. Doch das verschworene Feeling der kleinen Reisegesellschaft, die wochenlang im „Rudi“ schlafend mit „Gerhard“ bis Georgien fuhr, kann auch hier leider nicht mehr wiederbelebt werden.

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27.08.2018, Tag 65, Listvyanka, Russland; Tageskilometer: 22, Gesamt: 20.175
Räucherfisch

In Grüppchen getrennt durchstreifen wir das Örtchen Listvyanka. Es gibt mehrere kleine und schön anzusehende Märkte. Neben Souvenirs und Schmuck wird hauptsächlich Räucherfisch verkauft. Neben dem Omul scheinen nur drei weitere Arten vertreten zu sein. Geht man durch den Ort, qualmt es an jedem zweiten Grundstück. Hier wird der Fisch geräuchert und ebenfalls zum Verkauf angeboten. Somit gibt es in der Stadt Unmengen an Räucherfisch zu kaufen und man fragt sich, wer denn das alles essen soll.

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Wir versuchen zu helfen, aber sehr verkleinern konnte unser Esseinsatz den Fischberg nicht. Aber der Räucherfisch schmeckt ernsthaft oberlecker. Liegt es an der Art des Räucherns oder am Umfeld, keine Ahnung. Wir überlegen auch nicht lange und holen Nachschlag. Der Baikalsee ist die Perle Sibiriens und enthält ein Fünftel der Süßwasserreserven der Welt. Das Wasser ist kühl und absolut glasklar. Wir modifizieren die Kur des Herrn Kneipp und werten diese völlig auf. Kneipp-Kur Version 2.0: Auf dem Steg sitzend die Füße in das kalte Wasser des Baikal hängen, Bier trinken und Räucherfisch essen. Nasdarowje! Auf die Gesundheit!

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Natürlich darf ein Bad im Baikal auch nicht fehlen. Das Wasser ist wunderbar klar und gar nicht so kalt, wie man es auf den ersten Blick denken würde. Das Ufer ist hier voller Kies und überall finden sich tolle Fitschelsteine. Lediglich der Wellengang verhindert, dass unsere Würfe das andere Ufer erreichen.

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28.08.2018, Tag 66, Listvyanka, Russland; Tageskilometer: 17, Gesamt: 20.192
Wandertag

Für einen Teil der Gruppe steht heute Wandertag auf dem Programm. Direkt an unserem Blockhaus geht der „Great Baikal Trail“ in die dahinterliegenden Berge. Ein 460 Kilometer langer Wanderweg. In diversen Wanderkarten sind auch andere Wege eingezeichnet, wir nehmen den mit Nummer 10, weil er eine Art Rundweg darstellt. Es beginnt in typisch sibirischen Wäldern, Birken ohne Ende, Farne aller Art und an und zu mal riesige Ameisenhaufen. Gesamtlänge vierzehn Kilometer, laut Karte sieben Kilometer durch die Berge und sieben Kilometer am Strand zurück. Teil 1 stimmte, aber Teil 2 wurde zum Rhododentron Hill Part Two. Schwebebalkenbreite Pfade parallel und fünfzig Meter über der Steilküste. Wenn jemand abrutscht gibt es kein Halten. Denn hier wächst kein Rhododentron. Nach 600 Metern und dem Wissen, keine weiteren 6,4 Kilometer in diesem Stil zu schaffen, bogen wir nun zwangsweise im rechten Winkel ab und kletterten 60° steile Hänge entlang. Alles ging gut und nur der Muskelkater am nächsten Tag ließ uns an unser kleines Abenteuer erinnern.

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Passende Nachbereitung war die russische Banja, direkt im freistehenden Nebengebäude. Aljoscha hatte für den späten Nachmittag alles vorgeheizt und es war ein großer Spaß. Mit russischen Filzmützen auf dem Kopf genossen wir die Sauna mit dem Abkühlbecken und den diverse Ruheplätzen. Große Neuentdeckung war Sok. Man nehme ein zwei Löffel der von seiner Frau Ljuba gekochten Himbeermarmelade und gieße heißes Wasser drauf. Fertig.

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29.08.2018, Tag 67, Listvyanka, Russland; Tageskilometer: 44, Gesamt: 20.236
Schwere See

In kleinen Grüppchen durchstreifen wir Listvyanka. Von Irkutsk leicht zu erreichen, scheint es ein kleiner Touristen-Hotspot zu sein. Außer Souvenirläden und den beschriebenen Räucherfischständen gibt es nicht viel zu sehen. Am Ufer stehen Unmengen von Schiffen, alle werben um Passagiere. Interessanterweise sieht man keine Fischerboote. Man sieht auch keinen der sonst üblichen Fischereihäfen, wo Netze geflickt und repariert werden. Alles scheint auf Fahrgastschifffahrt ausgerichtet zu sein. Wo werden eigentlich die ganzen Fische angelandet, bevor sie hier geräuchert werden?

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Schon zwei Tage zuvor hatte Horst einen kleinen aber feinen Kutter klargemacht. Der stach aus der Menge durch Unaufgeregtheit heraus. Kettenrauchender Vater mit Strohhut, der seinen Sohn als Schiffsjunge an Bord hat. Mit denen stachen wir gegen 17:00 Uhr bei ruhigem Wetter in den Baikalsee. Wir passieren die Angagra, die hier aus dem Baikal abfließt und dort gelegenen Schamanenfelsen. Wenn man die beiden gegenüberliegenden Ufer sieht, haben die schon eine gewisse Entfernung zueinander. Das es dazwischen aber 1,6 Kilometer in die Tiefe gehen soll, kann man kaum glauben. Entlang des Ufers zieht sich ein Rest der früheren Transsibirischen Eisenbahn. Heute nur noch für Touristen genutzt. Aber ein tolles Bild, wenn zwei Dampfloks schnaubend mit einem Hänger das Ufer entlangfahren. An einer der Brücken der Bahn legen wir einen Boxenstopp ein.

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Diesen müssen wir dann abrupt beenden, Wolken sind aufgezogen und Regen setzt ein. Diesem kann der Skipper davonfahren, nicht aber dem einsetzenden Sturm. Das kleine Boot neigt sich von von nach hinten und im nächsten Augenblick von links nach rechts. Wir sind mal vom irischen Festland auf die Aran Islands gefahren, da war es ebenso. Aber eben im Atlantic, einem Ozean. Der Baikalsee will uns offensichtlich zeigen, was er so drauf hat.

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30.08.2018, Tag 68, Listvyanka, Russland; Tageskilometer: 4, Gesamt: 20.240
B & B

Kleine Zusammenfassung von Wikipedia: „Der Baikalsee liegt 455 Meter über dem Meeresspiegel und ist mit 1642 m der tiefste See der Erde. Er besitzt eine Uferlänge von rund 2125 km, ist vom Südwesten zum Nordosten 673 km lang und maximal 82 km breit. Seine durchschnittliche Breite beträgt 48 km. Die Winter (November bis März) sind mit Durchschnittstemperaturen um −20 °C trocken-kalt, es herrscht von Anfang November bis Ende März Dauerfrost. In den Bergen rund um den See liegt von Mitte September bis Ende Juni Schnee, in den Tälern von Mitte November bis Anfang April. Die Temperaturen können bis auf etwa −50 °C fallen.“

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Nach morgendlichen Regen bei sommerlich warmen Temperaturen und aufgeteilt in noch kleinere Grüppchen als gestern nimmt der Tag seinen Lauf. Gegen 16:00 Uhr treffen wir uns dann in der Banja. Anschließend gibt es Borschtsch. Und diesmal richtigen Borschtsch. Denn die siebenundsiebzigjährige Ljuba, die in diesem Haus auch das Regiment führt, hat diesen für uns gekocht. Der Kräutergarten hinterm Haus ist genau dafür ausgelegt. Die roote Beete, das Weißkraut, die Kartoffeln und die Kräuter stammen garantiert von dort. Dazu hat sie Rindfleisch gekauft und alles schon am Vortag angesetzt. Der Topf ist so riesig, dass niemand einen Pfifferling darauf setzt, dass wir den schaffen. Am Ende ist er alle.

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31.08.2018, Tag 69, Listvyanka, Russland; Tageskilometer: 45, Gesamt: 20.285
Angeltörn

So ganz hatten wir unseren Frieden mit dem Baikal noch nicht gemacht. Die vorgestrige Wanderung war noch kein passender Abschluß. Ansonsten hat Flemme zwar viel Zubehör eingebüßt, aber noch keinen Fisch geangelt und die letzte Bootstour endete im Sturm. So versuchten wir nun, alles auf den Punkt zu bringen. Gruppe A startete 09:15 Uhr und wanderte das Ufer entlang. Die Strecke nach Bolshie Koty war vorher nochmal bei den Park-Rangern abgestimmt, diesmal sollte aber auch nichts schief gehen. Gruppe B startete 14:00 Uhr mit Skipper Alexander und fuhr 70 Minuten parallel zum Ufer nach Bolshie Koty. Für den Fall, die Wanderung der Gruppe A wäre doch nicht ganz nach Plan gelaufen, hätten die uns sehen können und mit Seenotraketen auf sich aufmerksam machen können.

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Letzteres war dann doch nicht nötig, alles lief nach Plan. Skipper Alexander lief mit seiner 1994 erbauten „Sprut“ (Octopus) nach 70 Minuten „just in time“ im Hafen von Bolshie Koty ein, wo Wandergruppe A gerade fünf Minuten vorher eingetroffen war. Somit hatten wir noch Zeit, uns Bolshie Koty anzuschauen. Touristen gibt es hier kaum, hier ist Sibirien pur. Es ist Hochsommer und bestimmt sind es die letzten warmen Tage. Aber man bekommt ein Gespür, wie es die restlichen Tage des Jahres hier abgeht. Wenn die Dorfgemeinschaft im Winter nicht zusammenhält, wird sie nicht überleben.

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Auf der Rücktour steht Angeln auf dem Plan. Alexander setzt die „Sprut“ im 90° Winkel mit dem Bug aufs Ufer. Der Motor läuft weiter, die Schraube dreht mit kleiner Drehzahl. In die entstehende Strömung am Heck werden die Angeln ausgelegt, keine Köder, sondern einfach mehrere Lymphen pro Angelrute. Das ganze Boot fieberte mit, aber es hat nicht sollen sein. Lediglich ein Fisch hing kurzzeitig an der Angel, aber als er uns sah, hat er vor Schreck das Maul aufgerissen und den Hacken losgelassen. Er fiel zurück in den Baikal und wenn er nicht gestorben ist, lebt er da bis heute.

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01.09.2018, Tag 70, Irkutsk, Russland; Tageskilometer: 74, Gesamt: 20.355
Raketa

Der 01.09. ist in Russland Schulbeginn und „Tag des Wissens“. Alle Schulkinder kommen in Uniformen und in den Tageszeitungen erscheint in den Tagen zuvor ständig Werbung mit den neuen Kollektionen. Die Haare der Mädchen werden zu Zöpfen geflochten und sie haben überdimensioniert große weiße Schleifen auf dem Kopf. Niedlich sieht es trotzdem aus.

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Für uns heißt es Abschied nehmen. Zunächst vom Blockhaus und von Ljuba und Aljoscha. Der erzählt uns beim letzten Tee, dass er nach 50 Jahren Arbeit als Elektriker in einem Chemiekombinat nun umgerechnet 200 Euro Pension bekommt. Das ist nicht viel, zumal wir den Eindruck haben, dass viele Lebensmittel teurer als in Deutschland sind. Vor allem Molkereierzeugnisse und frisches Obst. So kostet eine mittelgroße Birne umgerechnet einen Euro.

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Dann kommt der Abschied Listvyanka und vom Baikal. Wir fahren mit dem Tragflächenboot die Angara hinauf. Sie sind keine Ausflugsschiffe, sondern Transportmittel. Man kann nur drinne sitzen. Diese Raketas sind mächtig in die Jahre gekommen. Sie benötigen absolut ruhige See, aber dann machen sie auch mächtig Dampf. Mit 60 km/h düsen wir nach Irkutsk, wo morgen früh das Flugzeug gen Moskau startet.

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02.09.2018, Tag 71, Moskau, Russland;
9 kleine Negerlein

Aus dem London Pub Irkutsk kommend, hatten wir uns gerade hingelegt, da mussten wir schon wieder aufstehen. Aber es nützt nichts, der Flieger wartet nicht. Heute steht Rückflug auf der Tagesordnung, wir müssen pünktlich sein. Zunächst fliegen 9 kleine Negerlein geschlossen mit einem nagelneuem Airbus A320 der russischen Gesellschaft S7 nach Moskau. Kaum angekommen erfolgt die Trennung. Ines & Ines, Susanne, Hoffi, Horst, Flemme und Zwerg gehen zum Transitraum, um nach Berlin weiter zu fliegen. Rainer und ich wollen die Chance nutzen und Moskau näher kennenlernen. Kurzer Abschied und los geht’s.

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Empfangen werden wir mit lauer Spätsommerluft und herbstlich gefärbten Bäumen. Obwohl wir einen ellenlangen Flug hinter uns haben, ist es gerade mal später Vormittag. Der Flug nach Westen und die damit verbundene Zeitverschiebung machts möglich.

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Unser Hotel ist nur wenige Gehminuten vom historischen Stadtzentrum entfernt und so sind wir gleich mittendrin. Inmitten einer wogenden Menschenmasse ließen wir uns durch die Straßen schieben.  Offensichtlich war ganz Moskau auf den Beinen, um diesen warmen sonnigen Spätsommersonntag zu genießen. Für uns war das nach der Abgeschiedenheit der mongolischen Steppe und der einsamen sibirischen Weite ein seltsames Gefühl.

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Der Rote Platz war gesperrt und von Sicherheitskräften abgeriegelt. Die Terrorangst ist allgegenwärtig, denn es wimmelt von Polizei, Freunden, Helfern und anderen Ordnungshütern. Am Abend fand das unter der Schirmherrschaft des Herrn Putin stattfindende „Spasskaya Tower International Military Music Festival“ seinen Abschluss (siehe spasstower.ru). Schon seit 24. August wird hier mit internationaler Besetzung marschiert, salutiert, gefeiert und Feuerwerk in den Himmel geschossen. Eintrittskarten hatten wir keine, doch konnten wir zumindest von außen zusehen und unseren Spaß daran haben. Denn es ist doch hundertmal besser, wenn hier Laiendarsteller aus allen möglichen Ländern in Phantasieunformen wie die Gockel rumstolzieren, als wenn echte Soldaten in Moskau einmarschieren würden.

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03.09.2018, Tag 72, Moskau, Russland;
Halbmarathon

Der Gorky Park ist riesig und wunderbar gepflegt. Er duftet nach herbstlichen Kräutern und es macht Spaß, da hindurch zu gehen. Da fällt einem das Lied der Scorpions ein, welches uns zur Wendezeit begleitet hat. Wind of Change. Aus der Zeit, wo wir aus der Ferne mit leuchtenden Augen Gorbis Glasnost und Perestroika beobachteten. Und zum allerersten Male zur Sowjetunion aufschauten. Noch heute bin ich Michail Gorbatschow äußerst dankbar. Er ist der einzige Politiker, den ich jemals verehrt habe. Und ich bin mir ganz sicher, ohne ihn hätte unsere Reise niemals stattfinden können.

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I follow the Moskva
Down to Gorky Park
Listening to the wind of change
An August summer night
Soldiers passing by
Listening to the wind of change
The world is closing in
Did you ever think
That we could be so close, like brothers
The future’s in the air
I can feel it everywhere
Blowing with the wind of change
Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow dream away (dream away)
In the wind of change
Walking down the street
Distant memories
Are buried in the past forever
I follow the Moskva
Down to Gorky Park
Listening to the wind of change
Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow share their dreams (share their dreams)
With you and me
Take me to the magic of the moment
On a glory night (the glory night)
Where the children of tomorrow dream away (dream away)
In the wind of change (the wind of change)
The wind of change
Blows straight into the face of time
Like a stormwind that will ring the freedom bell
For peace of mind
Let your balalaika sing
What my guitar wants to say
Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow share their dreams (share their dreams)
With you and me (with you and me)
Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow dream away (dream away)
In the wind of change (in the wind of change)

Songwriter: Klaus Meine
Songtext von Wind of Change © BMG Rights Management

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Insgesamt laufen wir an diesem Tag 26 Kilometer durch Russlands Hauptstadt. Ein Halbmarathon. Wir besuchen verschiedene Gotteshäuser der russisch orthodoxen Kirche. Höhepunkt ist die Christ-Erlöser-Kathedrale die mit 103 Metern zu den höchsten orthodoxen Sakralbauten weltweit gehört.

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Ganz ursprünglich wurde sie 1883 erbaut. Aber Stalin ließ sie, wie so viele andere Kirchen, im Jahr 1931 zerstören. Sie wurde gesprengt, weil an dieser Stelle der „Palast der Sowjets“ errichtet werden sollte. Daraus wurde nichts, der Bau wurde umfunktioniert, irgendwann war es dann ein Freibad. 1995 war es dann so weit, es erfolgte die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Kathedrale nach historischen Bauplänen. Symbolisch zum 2000. Jahrestag der Geburt von Jesus Christus wurde zu Silvester 1999 die neue Kathedrale erstmals für die Bevölkerung zugänglich gemacht. Die Baukosten in Höhe von 170 Millionen US-Dollar wurden vollständig aus Spenden von Organisationen und Privatpersonen finanziert. Auch das gehört zu Gorbatschows Erbe. Nochmals vielen Dank Herr Präsident Michail Sergejewitsch Gorbatschow! Ich verneige mich vor Ihnen!

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04.09.2018, Tag 73, Moskau, Russland;
Moskau City

Schlendert man durch Moskau, fallen einem viele zusammenhangslose Dinge auf. Scheinbar jeder dritte Laden ist eine Apotheke. Junge Mädchen tragen zerissenene Jeans, gerne mit vielen Löchern. In den Fußgängerzonen fahren viele Elektroroller. Es sind Unmengen an Sicherheitskräften unterwegs. Auf den Straßen fahren ganz viele nagelneue Autos, oftmals SUV´s und keine billigen Marken. Es gibt keine Bettler. Schwere und große Motorräder werden gerne mal ohne Schalldämpfer gefahren. Die Stadt ist absolut sauber. Überall wird gebaut und renoviert.

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Und das ist heute unser Thema. Zunächst testen wir die Moskauer Metro. Ein absolutes Highlight, wenn man schon mal hier ist. In den letzten sieben Jahren wurden 31 weitere Stationen eröffnet. Wir fahren Richtung Moskau City, ein zwischen 2005 und 2017 neu erbautes Geschäftsviertel. Es ist eine Mischung aus Potsdamer Platz und Manhattan. Hier steht mit Federazija das höchste Gebäude Europas. Ein Turm namens Wostok ist 374 Meter hoch, eine zweiter namens Sapad kommt auf 244 Meter Höhe. Wostok (der Osten) hat 95 Etagen, Sapad (der Westen) hat 63 Etagen.

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Wir fahren ganz hoch und genießen die Aussicht. Auch hier sieht man, dass rundherum ganz viele neue Komplexe entstehen. Moskau scheint zu boomen. In den unteren Etagen des Turmes verlaufen wir uns dann in einem Einkaufszentrum. Fünf Etagen voller Läden. Alles riesig und soweit das Auge reicht. Gestern waren wir im GUM. Auch hier ein Shop am anderen, alles Nobelmarken, alles vom feinsten. Wer soll das nur alles kaufen?

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05.09.2018, Tag 74, Moskau, Russland;
Ehrenfriedhof

Красная площадь, Спасская башня, Мавзолей Ленина, was haben wir diese Vokabeln im verhassten Russisch Unterricht gepaukt. Aber nun gehen die längst verschlossenen Schubladen wieder auf und die russischen Begriffe kommen wieder hervor.

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Der Rudolstädter Fabrikant Friedrich Adolf Richter stellte die Anker Steinbaukästen her und hätte seine helle Freude am Staatlichen Historischen Museum an der Nordwestseite des Moskauer Roten Platzes gehabt. Das Gebäude sieht nämlich so aus, als wäre es mit seinen aus Sand, Schlämmkreide und Leinöl gepressten Anker Bausteinen erbaut worden. Auch von innen ist das bekannteste Museum der russischen Landesgeschichte äußerst prachtvoll. Von den 32 großen Ausstellungshallen hat jede eine völlig andere Architektur. Die Hallen sind vollgepackt mit 4,5 Millionen Ausstellungsstücken von der Urzeit bis kurz vor der Oktoberrevolution. Beschriftet ist alles kyrillisch. Um das alles zu verstehen, reichen meine bruchstückhaften Sprachkenntnisse dann doch nicht aus.

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Nicht weit vom Museum entfernt steht das Lenin Mausoleum. Nach einer Stunde Anstehen dürfen wir hinein. Kaum ein Ort auf der Welt ist ideologisch so verklärt. Zumal Lenin vor seinem Tod verfügte, keinen Personenkult um ihn zuzulassen. In fast völliger Dunkelheit des kalten Raumes wird er auf rotem Samt liegend hell beleuchtet. Uniformierte Ehrenwachen passen auf, dass niemand die Ruhe stört.

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Neben dem Mausoleum ist die Negropole an der Kremlmauer, die der Sowjetunion als Ehrenfriedhof diente. Unter anderem liegen hier die verstorbenen Generalsekretäre der KPDSU in Einzelgräbern. An keinem anderen Ort der Welt liegen so viele Massenmörder, Diktatoren und kalte Krieger auf engstem Raum begraben wie hier. Das diese Gräber auch noch mit Blumen geschmückt werden, kann ich überhaupt nicht verstehen.

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06.09.2018, Tag 75, Moskau, Russland;
Abschied

Liebe Nathalie,
nun bin ich seit Tagen in Moskau unterwegs und habe gehofft, Dich im Cafe Puschkin oder am Roten Platz zu treffen. Leider hat das nicht geklappt, die Zeit ist um und meine Reise endet hier. Aber vielleicht liest Du irgendwann diese Zeilen und wir können uns in Jena treffen. Ich würde mich sehr freuen.
Bis dahin.
U.T.

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6 Kommentare

  1. Katrin

    Hallo Uwe,
    vielen Dank für den interessanten Reisebericht. Ein tolles Abenteuer.
    Bin heute bis China gekommen, erst mal verdauen. EINES weiß ich aber, ich gehe heute mit einem Ohrwurm zu Bett, Immer lebe die Sonne auf russisch.

    Liebe Grüße an alle,
    Katrin aus dem RW

    Antworten
  2. Hallo liebe Kameraden,
    es ist einfach schade, dass diese herrliche und sehr informative Reise zu Ende gegangen ist.
    Ich habe jeden Tag im Internet „episode4.online“ aufgerufen und mich über jeden neuen Blog mit den professionellen Fotos gefreut und ihn aufmerksam gelesen.
    Aber alles hat nun einmal ein Ende und so ist das auch mit dieser schöne Reise, die wir durch die fleißige Arbeit des Blogger auch zu Hause mit erleben durften.
    Ob es ein nächstes Mal gibt, man wird sehen.
    Ich könnte mir vorstellen, dass das Abwandern des Jakob- Weges, z. B. in der Schweiz beginnend, zum Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Galicien (Spanien) auch ein spannendes Unternehmen wäre. Vielleicht wird etwas daraus.
    Ich wünsche allen Kameraden eine glückliche Heimkehr nach Jena zu Ihren Familien und weiterhin solchen Unternehmergeist wie er zu dieser Reise führte.
    Es gibt bestimmt noch viel zu erzählen.

    lukälo

    Antworten
  3. Jan-Marcel

    Lieber Treffer, Du hast über die Zeit einen wunderbaren Reisebericht verfasst – dafür großen Dank und Euch beiden Verbliebenen noch ein paar schöne Stunden in Moskau!!

    Aloha

    Jan

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  4. Udo

    Hallo Uwe,

    auch wenn du Nathalie nicht mehr gesehen hast, uns hast du ja bald wieder vor der Nase. Das ist doch auch was. Kommt gut heim und erhole dich schnell von dieser sicherlich lebensverändernten Aktion. Gut, dass scheinbar docht alles nach Plan gepasst hat. Und keine Angst, die Lichtschalter machen immer noch das gleiche ;).

    Antworten

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