Kosovo; 03.07.2018

03.07.2018, Tag 10; Pristina, Kosovo; Tageskilometer: 136, Gesamt: 2.107

Herzlicher Abschied von unserem Wirt Ismet und Abschied von Montenegro. Hochstart, wir haben es eilig. Relativ schnell erreichen wir die Grenze und wieder machen alle einen Länderpunkt. In der Republik Kosovo waren wir noch nicht. Die Straße überquert letzte Pässe, wir befinden uns immer noch auf 1000 Meter Höhe und auf einmal öffnet sich der Blick auf eine riesige Tiefebene, Blick auf den Kosovo. Wir fahren in die Hauptstadt Pristina und sind wieder mal überrascht. Jeder hatte irgendein anderes Bild vom Kosovo, jedes war falsch. Wie auch schon Goethe feststellte: „Für Naturen wie die meine, die sich gerne festsetzen und die wichtigen Dinge festhalten, ist eine Reise unschätzbar; sie berichtigt, belehrt und bildet“.
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In Pristina schauen wir wieder mal Fußball-WM, die Schweiz trifft auf Schweden. Bei der Fernsehübertragung verstehen wir kein Wort, aber das der kosovarische Reporter total parteiisch ist, ist nicht zu überhören. Das kommt nicht von ungefähr. Tausende Kosovaren bzw. Albaner haben ihr Land verlassen und viele von ihnen sind nun schweizer Staatsbürger und auch in deren Nationalmannschaft spielen nun etliche Spieler mit hiesigen Wurzeln.
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Abends führt uns Valbon in ein verstecktes Lokal in der Nähe des Zentralstadions und läßt ein oberleckeres Menü auffahren. Wir verkosten diverse Nationalgerichte und sind schwer begeistert. Schnell wird das Essen zur Nebensache, denn Valbon erzählt uns die Geschichte seines Landes, welche für uns am greifbarsten an seiner eigenen Familiengeschichte wird. Wie auch schon seine Vorfahren ist er Mediziner, hat gemeinsam mit seinem Vater während des Krieges heimlich nachts und am Wochenende UCK Partisanen versorgt. Später wurden sie durch einen, von Serben fingierten, NATO-Angriff ausgebombt und flüchten daraufhin mit dem Auto Richtung Albanien. Dabei wurden sie von einer Patrouille aufgegabelt und standen schon kurz vor der Erschießung. Bei der Kofferraumkontrolle wurden Angelgegenstände festgestellt. Dabei bemerkten die Serben, dass beide schon in gleichen Gewässern geangelt hatten. Dieses, scheinbar winzige, Detail reichte dann, um festzustellen, dass man die Familie vielleicht doch ziehen lassen könnte.
Wie über eine Million weiterer Menschen flüchteten sie in kürzester Zeit aus dem Kosovo. Die Rechnung der Serben, ein ethnisch gesäubertes, fast menschenleeres Gebiet an Großserbien anzugliedern, schien aufzugehen. Keine drei Wochen später kehrten die Millionen, zum großen Erstaunen der Serben, aber auch der UNO und auch der Weltöffentlichkeit, zurück. Heute gibt es die Republik Kosovo. Valbon ist niedergelassener Arzt und seine Kinder haben, der Familientradition entsprechend, Medizin studiert. Wie schön ist das denn?

Ein Kommentar

  1. Ralph Berk

    Einen lieben Gruß in die Runde sendet euch euer alter Reisekammerad Ulla.
    Bin Stolz auf meine Freunde!!!
    Und übrigens das Zwergen…Tyrannentraining ist von mir und Katrin erprobt und für gut befunden wurden…durchhalten Jungs…Weiter viel Spass

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